Vom Glück im Unglück auf Reisen

Wie schon die meisten von euch wissen, hat es uns letzte Woche ziemlich übel erwischt. Zuerst eine Lebensmittelvergiftung mit anschließender Augenentzündung und Verkühlung. Und als wär das nicht genug – ein Erdbeben. Aber eines nach dem anderen.
Angefangen hat alles in einem gut bewerteten und sehr schönen Restaurant. Wir bestellten ein Teller für 2 Personen mit verschiedenen Köstlichkeiten. Wir haben ironischerweise sogar ein Foto vom Übeltäter – da das Teller so nett angerichtet war! 😀

Später am Abend wurde mir dann immer kälter und kälter. Trotz Schlafsack, dickem Gewand und zusätzlicher Bettdecke konnte ich mich nicht erwärmen und zitterte am ganzen Körper. Große Wasserflaschen, mit kochendem Wasser gefüllt, dienten als Wärmeflaschen – bin ich froh, dass Matthias so kreativ ist! Nach 2-3 Stunden wurde es mir dann endlich wärmer. Und kurz darauf begannen die Schweißausbrüche.  Zum gleichen Zeitpunkt bekam Matthias die Schüttelfrost. Mittlerweile hatte ich extreme Glieder- und Kopfschmerzen. Matthias bekam alle Symptome 2 Stunden nach mir, er wusste also schon immer vorher was als nächstes auf ihn zu kommt.

Wir versuchten wenigstens ein bisschen zu schlafen. Am nächsten Tag in der Früh wurde mir plötzlich extrem schlecht und was dann folgte, könnt ihr euch denken. 😉 Beim Wasser holen an der Rezeption, bot die Dame an, einen Arzt oder ein Taxi ins Krankenhaus zu rufen. Wir lehnten beides ab. Wir sind immerhin in Peru und wenn es nicht wirklich notwendig ist, lieber nicht. Aber im Laufe des Vormittags wurde das Fieber immer höher. Dann doch lieber ein Arzt.

International Association for Medical Assistance to Travellers

Was dann folgte, war wahrhaftes Glück im Unglück. Der Arzt hat 10 Jahre in Kanada gearbeitet und sprach daher super Englisch. Gemeinsam mit einem Kollegen, hat er vor kurzem die „International Association for Medical Assistance to Travellers“ gegründet. Denn damit unsere Reiseversicherung die Kosten für die Behandlung übernimmt, braucht man einen schriftlichen Befund, welchen man von einem normalen Arzt oder im Krankenhaus in Peru nicht bekommt  – weil schlichtweg keine Zeit dafür ist bzw. kein Englisch gesprochen wird.

Unseren Symptomen zu folge, tippte er auf eine bakterielle Infektion durch verunreinigte Lebensmittel. Aber um sicher zu gehen, musste ein Bluttest her. Um uns für die Fahrt ins Labor „transportfähig“ zu machen, bekam Matthias die schmerzhafteste Spritze seines Lebens und ich gottseidank nur Tabletten, da mein Fieber schon etwas gesunken war. 30 Minuten später saßen wir zusammen mit dem Arzt im Taxi Richtung Labor. Wir fühlten uns wie Zombies in einer Welt von Lebenden. Wir waren komplett neben der Spur. Ohne zu warten wurden wir aufgerufen, das Blut abgenommen und 1 Stunde später hatten wir bereits den Befund. Als ich ihn fragte, warum es so schnell geht, meinte er, er kenne die Empfangsdame und das Labor sei für Notfälle. Später sahen wir noch ein paar Geldscheine über die Theke wandern – Korruption lässt grüßen. 😉

Die Nachbehandlung in den darauf folgenden Tagen, fand über Whattsapp statt. 3x täglich mussten wir ihm unseren Zustand mitteilen.

Vom Hostel ins Hotel

Sobald wir uns halbwegs erholt hatten und uns fit genug zum packen fühlten, siedelten wir von unserem Hostel ohne Heizung und Fenster, in ein Hotel mit größeren und vor allem warmen Zimmern. Das musste jetzt einfach sein. Wir wussten, dass es noch einige Tage dauern würde, bis wir wieder halbwegs fit sind. Im Hotel angekommen, bekamen wir wegen Überbuchung noch ein Upgrade in die Präsidenten Suite. Wir konnten uns das Lachen nicht verhalten und die Dame am Empfang lachte laut mit uns mit. Einen Rucksack hat hier sicher noch kein Page in die Suite getragen. Beim Anblick des Whirlpools, des überdimensionalen Betts und dem großen Flachbildschirm, mussten wir trotz Schmerzen nochmal herzhaft los lachen. Hier lässt es sich die nächsten Tage auf jeden Fall aushalten und vor allem gesund werden. Ohhh…den Zimmerservice hab ich noch vergessen 😉 Also wenn das kein Glück ist.

Nach 5 Tagen Antibiotikum und anderen Tabletten waren wir wieder halbwegs fit. Der Arzt steht uns übrigens für ganz Südamerika zur Verfügung. Wenn wir Beschwerden haben, sollen wir ihm nur die Symptome  bzw. Fotos über Whattsapp schicken und er schickt uns das passende Rezept. Wir hoffen allerdings stark nicht auf dieses Angebot zurückkommen zu müssen.

Und plötzlich bebt die Erde

Wir lagen bereits im Bett, als auf einmal das ganze Zimmer zu wackeln begann. Im ersten Moment waren wir nur irritiert und wussten nicht was hier gerade passiert. Als wir nach ein paar Sekunden realisierten, dass es sich um ein Erdbeben handelt, gerieten wir etwas in Panik. Wir hatten überhaupt keine Ahnung, wie man sich in so einem Fall richtig verhält. Der Urinstinkt gab das Signal zur Flucht…doch wir waren im 2. Stock, der Balkon hatte eine Glasdecke und der Gang war wahrscheinlich auch keine gute Idee. Nach ziellosem herum rennen, war das Beben dann auch schon wieder vorbei. Gottseidank. Mein Herz schlug bis zum Hals.

Uns kam allerdings sofort der Gedanke von einem Nachbeben. Während ich das richtige Verhalten im Falle eines Erdbebens googelte, fand Matthias eine Seite mit den aktuellsten Erdbeben-Informationen in Peru. 5 Minuten später war es bereits schriftlich bestätigt. Ein Beben der Stärke 6.4. erschütterte die Region Arequipa. Das Zentrum war 200km von uns entfernt und trotzdem war es noch so heftig zu spüren. Die Nacht blieb aber ruhig, keine Nachbeben. Wohl wieder etwas Glück im Unglück. In unserer Stadt sind gottseidank keine größeren Schäden entstanden. Aber das Beben hat mehrere Erdrutsche ausgelöst und die Straßen zwischen Lima und Arequipa für die nächsten Wochen lahm gelegt.

Unsere erste 3-Tages-Wanderung

Genug Action für unseren Geschmack. Jetzt könnte es schön langsam wieder etwas ruhiger werden. Wir beschlossen unseren ursprünglichen Plan, eine Wanderung in den Colca Canyon, in die Tat umzusetzen. An unsere lieben Mamas: Auch der Arzt gab sein ok. 🙂 Wir konnten es kaum erwarten, der Bewegungsdrang, nach einer Woche fast nur im Bett, war größer denn je! Mittlerweile sind wir bereits von der Wanderung zurück. Es war um einiges anstrengender als gedacht, aber alle Mühen wert. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Arequipa

Hier noch ein paar Eindrücke von der Stadt in der wir uns gerade befinden. Arequipa ist die 2. größte Stadt Peru’s und besonders die Altstadt und das ehemalige Kloster Santa Catalina laden zum flanieren ein. Und die Ausblicke von der Stadt auf die Vulkane sind einfach Wahnsinn.

 

3 Comments

  • Reply
    Sabrina
    27. Juli 2017 at 8:00

    Ein bisschen Glück gehört immer dazu

  • Reply
    MutzurMücke
    16. August 2017 at 0:48

    Da hat es euch ja echt schwer erwischt.

    Euren Blog werden wir intensiv verfolgen da ihr quasi uns voraus reist.
    Alles gute.
    Agnes&Franz

    • Reply
      Tanja Kulmer
      16. August 2017 at 18:10

      Hey Agnes & Franz,
      ja, diese Woche war kein Zuckerschlecken. 🙂
      Super, dass freut uns sehr…wenn ihr irgendwelche Fragen habt oder genauere Infos zu Touren etc. braucht, schreibt uns einfach ein Mail!
      Gute Reise,
      Tanja & Matthias

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