Titicacasee und Grenzüberquerung nach Bolivien

Unser letzter Stop in Peru war Puno. Die Stadt liegt bereits an der Grenze zu Bolivien und direkt am Titicacasee. Der See liegt auf 3800m und ist das höchstgelegene schiffbare Gewässer der Welt und der größte See Südamerika’s. Er verbindet Peru mit Bolivien – laut einigen Peruanern, gehört „Titi“ zu Peru und „caca“ zu Bolivien. 😉

Floating Islands of the Uros

Wieder einmal hieß es früh aufstehen…und irgendwie fällt uns das mittlerweile ganz schön schwer. Zusammen mit 10 weiteren Urlaubern ging’s mit einem kleinen Boot hinaus auf den Titicacasee, um die schwimmenden Inseln der Uros zu besuchen. Alle 90 Uros Inseln wurden ausschließlich aus Schilf gebaut. Mit einer speziellen Technik werden die Gräser übereinander geschlichtet und zusammen gebunden. Diese schwimmenden Blöcke bilden die Grundlage der Inseln und auch die Hütten und Boote bestehen zu 100% aus Schilf.

Circa 1.500 Einwohner leben nach wie vor hier. Es gibt einen eigenen Kindergarten, Schulen und das Volk spricht eine eigene Sprache. Jeden Tag werden neue Schilf-Schichten eingearbeitet und Lücken gestopft, um die Inseln über Wasser zu halten.

Bis vor einigen Jahren lebten die Uros vom Fischfang und von der Handarbeit, welche von deren Kindern am Festland auf den Straßen verkauft wurde. Jetzt hat sich allerdings eine neue Einkommensmöglichkeit ergeben: Der Tourismus. Die Uros erlauben Besuchern, die nachhaltigen, schwankenden Inseln zu besuchen und teilen ihre Kultur und ihr Wissen. Man merkt sofort, wie stolz sie auf ihre Geschichte sind. Sie lassen uns an ihrem Alltag teilhaben, demonstrieren uns ihre Bauweise der Inseln und zeigen uns ihre Hütten. Erstaunlich wie gut die Kommunikation mit Händen und Füßen klappen kann. 🙂

 

Taquile Insel

Zu Mittag ging’s dann weiter, 2 Stunden quer über den See, zur 3. größten Insel namens Taquile. Wir wanderten den Hügel hinauf, bis zum Hauptplatz. Umso höher man kam, umso lauter war die Musik zu hören. Es wurde bereits seit 2 Wochen San Santiago  gefeiert und an diesem Tag fand der Höhepunkt der Feier statt. Die Insel-Bewohner hatten sich in ihr buntes Festtags-Gewand gehüllt. Die Männer spielten auf ihren Bahnflöten und die Frauen tanzten und schwangen ihre weiten, bunten Röcke. Es wurden Ehrengäste geladen, welche alle in einer feinen, schwarzen Uniform am Rande des Platzes Platz genommen haben und die Aufführungen bewunderten. Dazu wurde ihnen Bier serviert. Ein lustiger Anblick.

Irgendwie wird überall, wo wir hin kommen, gefeiert. Der ganze Juni war eine einzige Feier in Brasilien (Sao Saó), der Juli in Peru (Independence Day) und jetzt hier. Wir haben wirklich Glück – so kann es weiter gehen.

Wir spazierten durch die Gassen rund um den Platz. Die Stimmung war sehr positiv und alle waren in Feier-Laune. Auf den Straßen reihten sich die kleinen Gar-Küchen und Verkaufsstände aneinander. Wir beobachteten die Kinder beim Volleyball spielen mit Luftballons und beim Drachen steigen lassen. Nach einem erstaunlich leckeren, traditionellen Mittagessen, wanderten wir die andere Seite der Insel hinunter zum Hafen. Vorbei an Schafherden und immer begleitet von einem atemberaubenden Ausblick auf den See und die umliegenden Inseln.

Was uns auffällt, sind die vielen strickenden Männer. Hier sind die Männer für die Handarbeit zuständig. Sie stricken teilweise monatelang an einer traditionellen Mütze und die Ergebnisse sind wirklich bewundernswert. Und um es den Single-Damen und Herren des Volkes einfacher zu machen, trägt jeder Bewohner eine Haube. Rot bedeutet verheiratet und rot-weiß noch zu haben. 🙂

Auf der Insel gibt es weder Autos noch Maultiere. Alles muss von den Einwohnern selbst mit Tüchern auf dem Rücken vom Hafen in ihr Dorf am Hügel der Insel transportiert werden. Wir schafften es kaum ohne Gewicht den Weg hinauf und mussten wegen der Höhe alle paar Minuten stehenbleiben und tief durchatmen.

Am Hafen angekommen, stiegen wir wieder in unser Boot und schipperten 3 Stunden lange zurück nach Puno, dem Sonnenuntergang entgegen. So viele neue Eindrücke müssen erst einmal verarbeitet werden.

 

Grenzüberquerung von Peru nach Bolivien

Am nächsten Morgen saßen wir im Bus Richtung La Paz in Bolivien. Die Grenze liegt kurz vor der Stadt Copacabana, direkt am Titicacasee. Wie soll es anders sein, auch hier fand an genau diesem Tag ein großer, katholischer Feiertag statt und die Straßen über die Grenze waren daher komplett verstopft. Alle Auto- und Taxifahrer kamen von weitem hierher, um ihr Auto aufwendig zu schmücken und anschließend weihen zu lassen. Das soll vor Unfällen schützen.

Da unser Bus nicht mehr weiterkam, mussten wir die restliche Strecke zu Fuß zurück legen. Zuerst auf der peruanischen Seite „auschecken“ und dann auf der bolivianischen Seite migrieren. Es herrschte pures Chaos. Aber solange man kein US-Staatsbürger ist, geht alles ganz einfach. Formular ausfüllen und Stempel abholen – fertig. Reisende aus den USA müssen eine ganze Liste an Unterlagen vorweisen und einen hohen Geldbetrag bezahlen um einreisen zu dürfen. Südamerika und die USA sind nicht gerade gut aufeinander zu sprechen.

Die ganze Stadt war ein einziger Kirtag. In den Straßen reihte sich ein Verkäufer an den nächsten. Von Lebensmittel, über Elektronikzubehör, bis hin zu Hygiene Artikeln konnte man hier alles finden.  Unser Mittagessen genossen wir auf einer Dachterrasse direkt am See. Und irgendwie schaffte ich es in einen Deko-Baumstamm zu rennen, der nur knapp mein Auge verfehlte. Es tat einfach nur höllisch weh – die nächsten Tage verbrachte ich mit einem blauen Auge.

Der einzige Weg um in die Stadt La Paz zu kommen, war mit einer Seeüberquerung verbunden. Es war bereits stockdunkel. Wir wurden aufgefordert, mit Reisepass, unseren Bus zu verlassen. Dann wurde der Bus auf ein schwimmendes Floß verladen und bei diesem Anblick verstanden wir, warum wir nicht im Bus bleiben durften. Eine sehr wackelige Angelegenheit. Wir wurden hingegen auf kleinen Minibooten verfrachtet. Es wurde jeder Zentimeter ausgenutzt, komplett überbesetzt. Aber nach unserer Horror-Schiffsfahrt in Brasilien, schockierte uns das nicht mehr sonderlich. Im Schneckentempo ging’s ans andere Ufer. Zurück im Bus, gab’s dann Popkorn und dazu Disney – die Schöne und das Biest! 🙂

Das Lichtermeer von La Paz bei unserer Ankunft war einfach nur atemberaubend. Wir konnten es kaum erwarten diese Stadt bei Tageslicht zu erkunden.

2 Comments

  • Reply
    MutzurMeucke (Agnes&Franz)
    7. September 2017 at 4:13

    Hi,

    könnt ihr etwas speziell am Titicaca – See auf bolivanischer Seite empfehlen?

    Unterkünfte/Restraurants/Touren etc?

    Danke 🙂

    • Reply
      Tanja Kulmer
      7. September 2017 at 21:36

      Hey, wir haben den See von Puno aus erkundet, weil wir unbedingt die schwimmenden Inseln sehen wollten. Der Ort Copacabana auf der bolivianischen Seite ist auf jeden Fall einen Besuch wert, da gibt es eine große Auswahl an gemütlichen Bars mit Dachterrassen und Blick auf den Strand…gegessen haben wir dort sehr gut im Thai-Palace. Die Isla del Sol (bol. Seite) haben wir dann nicht besucht, da sie sehr ähnlich wie die Taquile Island sein soll. Wir sind am gleichen Tag/Nacht noch weiter nach LaPaz, Unterkunft kann ich daher keine empfehlen 🙂

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