São João Fest in Cravolândia

Im brasilianischen Nordosten wird jedes Jahr am 23. Juni das große São João Fest gefeiert. Eigentlich wird bereits den ganzen Juni gefeiert, aber der Höhepunkt der ganzen Feierei findet an diesem Tag statt. Alle Straßen und Häuser sind mit bunten Fahnen und Lampions geschmückt und abends werden unzählige Lagerfeuer entzündet. Dazu wird Forro-Musik gespielt und viel getanzt und getrunken. Feuerwerke und Knallkörper gehören ebenfalls den ganzen Monat zum Alltag. Ihr wollt nicht wissen, wie sehr wir uns beim ersten „Schuss“ geschreckt haben, als wir diese Tradition noch nicht kannten. 😉 Das São João Fest ist hier inzwischen ähnlich populär wie der Karneval.

Brasilianische Gastfreundschaft

Wir durften dieses Spektakel gemeinsam mit Haki und Manu bei Manu’s Großeltern in einer kleinen Stadt im Landesinneren feiern. Die meisten Städter zieht es zu dieser Zeit aufs Land zu ihren Familien. Wir wurden wie immer herzlichst begrüßt und aufgenommen. Besonders Manu’s Oma hat es mir angetan…diese Frau ist einfach zum knutschen. Mit über 80 Jahren noch immer quietschfidel und immer ein Lächeln im Gesicht.  Obwohl wir uns sprachlich überhaupt nicht verständigen konnten, hat sie immer wieder mit mir gesprochen, mich durchs Haus geführt und unsere Wünsche von den Lippen abgelesen. Wenn wir einmal gar nicht wussten, was der andere gerade meint, wurde einfach gelacht und kurz geknuddelt.

Übers Wochenende nahmen die Beiden nicht nur uns, sondern  insgesamt 14 Personen in ihrem kleinen, gemütlichen Häuschen auf. Sie ließen es sich nicht einmal nehmen, sich selbst mit Matratzen in die Garage auszuquartieren, um ihr Zimmer den Gästen zur Verfügung zu stellen. Wir haben die drei Nächte zu 7 in einem kleinen Zimmer mit 3 Betten verbracht und ich muss sagen, ich habe super geschlafen. Besser als in manchem Hotel.

Essen & Trinken

Hier wird ohnehin nicht viel geschlafen, sondern hauptsächlich gegessen, gegessen und gegessen. Es wird den ganzen Tag gekocht und gegrillt. Das Leben spielt sich hier hauptsächlich in der Küche und auf der Straße vor dem Haus ab. Dazu werden einfach Tisch, Griller und Stühle neben der Straße platziert und die Boxen mit lauter Musik ans Fenster gestellt. Schon kann die Feier beginnen. Noch dazu betreiben die Großeltern seit Jahrzehnten eine kleine Bar für die ganze Nachbarschaft, welche direkt an ihr Haus anschließt. Täglich treffen sich die Männer hier zum Domino spielen. Ja genau – Domino. Das ist hier kein Kinder-Spiel sondern eine ernsthafte Disziplin. Vergleichbar mit dem Schnapsen in Österreich. Als Laie kommt man mit dem Schauen nicht mit.

Nach 2 Tagen fast durchgehendem Essen & Trinken, hatte Matthias das Bedürfnis mal wieder etwas für seine Fitness zu tun und beschloss eine Runde laufen zu gehen. Nach 1 1/2 Stunden wurden die Ersten nervös und wollten mal mit dem Auto eine Runde drehen, ob er sich e nicht verlaufen hat. Aber im gleichen Moment kam er auch schon um’s Eck gebogen. Noch keine Minute ausgeschnauft, wurde ihm auch schon das Bier und ein Teller mit gekochtem Ochsenschwanz serviert. 🙂 Bier wird hier getrunken wie Wasser. Man muss aber auch sagen, dass es nicht ganz so stark ist wie in Österreich.

Traditionen zum São João Fest

Während des São João Fests ist es Tradition, von Haus zu Haus zu ziehen und überall eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken. Viele Familien haben eine Art Buffet im Wohnzimmer oder Innenhof aufgebaut und verschiedene Liköre bereit stellt. Ich kann nicht mehr sagen, in wie vielen Wohnzimmern wir Platz genommen haben. Haki oder Manu waren immer an unserer Seite um zu übersetzen, denn jeder wollte mit uns reden und wissen woher wir kommen und wie es uns hier gefällt.

Am Nachmittag des 23.6. machten wir uns dann auf den Weg zum Hauptplatz der Stadt, wo bereits bei lauter Musik getanzt und gefeiert wurde. Ähnlich wie beim Karneval, findet auch hier später ein gemeinsamer Umzug durch die Stadt statt. Es gibt eine reine Frauen-Gruppe, eine Männer-Gruppe und eine gemischte Gruppe, hauptsächlich für die Jugend. Jede Gruppe hat ihre eigens kreierten T-Shirts und ihre eigene Musik dabei. Und damit meine ich nicht etwa einen Radio, sondern fette Anhänger mit einem Sound-System, dass die ganze Stadt mit Musik versorgen könnte. Es war wirklich ein Erlebnis!

Am Abend wurde die Feier dann in ein riesiges Zelt verlegt, welches extra für dieses Fest auf dem Platz einbetoniert wurde – es ist echt ein Wahnsinn was für ein Aufwand hier für ein einziges Fest betrieben wird. Hier wird Tradition eben ganz groß geschrieben.

Abschied

Der Abschied am letzten Tag fiel dementsprechend schwer. Es waren wirklich einmalige, unvergessliche Tage und wir sind unendlich dankbar, dass wir diese Zeit hier verbringen durften!

Als nächstes geht es für uns direkt weiter auf eine Insel, um ein paar Tage zu entspannen. Die Zeit in Brasilien verfliegt viel zu schnell…

 

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