Einmal quer durch die Salzwüste Boliviens

Um von Bolivien nach Chile zu kommen, gibt es eine wunderschöne Route. Quer durch die Salar de Uyuni, die größte und höchstgelegene Salzwüste der Welt, welche beide Länder verbindet. Wir fanden schnell eine Agentur, welche uns nach einer 3-tägigen Tour in der Wüste an der Grenze aussetzt – perfekt! 🙂

Sandsturm & Eisenbahn-Friedhof

Nach einer Nacht im Bus, kamen wir in der Früh in Uyuni, einem verschlafenen Ort am Rande der Salzwüste, an. Es wehte ein eiskalter, kräftiger Wind. Mit 2 Jeeps ging’s ab in die Wüste. Aber die Fahrt dauerte nicht lange. Ein Sandsturm zog auf und wir konnten keine 2 Meter weit sehen. Der Wind pfiff übers Auto und sogar im Auto wurde die Luft immer staubiger. Ich hätte mir nie gedacht, dass ein Sandsturm so beängstigend sein kann.

Sobald wir wieder etwas Sehen konnten, ging es weiter. Erster Stopp war ein Eisenbahn-Friedhof – mitten im Nirgendwo. Die Instandhaltung konnte nicht mehr finanziert werden, daher bediente sich die Bevölkerung an brauchbaren Teilen und der Rest blieb liegen. Wir mummten uns in unsere Hauben, Kapuzen und Sonnenbrillen – aber der starke Wind wirbelte den Sand quer durch die Luft – kein Spaß.

 

Unter Reisenden

Unser Fahrer war ein richtiger Modern Talking-Fan – das Album lief auf und ab. Bis er irgendwann zu andern Hits der 70er wechselte. Die musikalische Zeitreise sollte die nächsten Tage andauern. Dabei stopfte er sich so viele Coca-Blätter in den Mund, dass man ihm beim Reden kaum mehr verstehen konnte. Unsere Gruppe war ein bunter Haufen, aus allen Hergottsländern. Aber wie immer haben alle Eines gemeinsam – die Leidenschaft fürs Reisen. Und die Chemie stimmte dieses Mal ganz Besonders – die nächsten Tage waren einfach ein wahnsinns Spaß. Auch das ist etwas, was wir unterwegs so lieben…man kommt mit allen möglichen Leuten immer sofort ins Gespräch, lernt super interessante Menschen kennen und hört immer wieder inspirierende Geschichten, von Leuten die ihre Träume verwirklicht haben. Alleine darüber könnte ich einen eigenen Artikel schreiben. 😉

Weit und breit nichts ausser Salz

Das Highlight der Tour war definitiv die Salzwüste selbst. So weit man sieht nur Weiß. Auf den ersten Blick wirkt es wie Schnee, aber es ist reines Salz – einfach unglaublich. Die Jeeps in der Ferne wirkten wie kleine Spielzeugautos. Diese Kulisse bietet sich bestens für Fotos mit optischen Täuschungen an. Unser Guide wurde zum Kleinkind und positionierte uns für zahlreiche Fotos. Er brachte sogar extra Utensilien, wie einen kleinen Dinosaurier mit.

 

20-Sterne-Unterkunft – oder so

Die erste Nacht verbrachten wir in einer einfachen Unterkunft. Als Paar hat man den Vorteil, meißtens nicht in den Schlafsaal, sondern in ein Doppelzimmer verfrachtet zu werden. Unser Zimmer glich zwar mehr einer Gefängniszelle – 4 Wände, 1 Bett – aber hey, Zweck wird erfüllt. Strom gab es ganze 2 Stunden lang. Als der Guide uns beim Abendessen mitteilte, dass wir uns für den nächsten Tag noch wärmer einpacken sollten, fragten wir uns warum wir uns das eigentlich alle freiwillig antun. Kurz darauf folgte die Info, dass unsere Unterkunft im Vergleich zur nächsten Nacht, einem 20-Sterne-Hotel gleicht. So war es dann auch. Wir schliefen bei -20 Grad in 3 Hosen, 2 Pullis, 3 Jacken, Haube, Schal, Handschuhe, Schlafsack und 2 Decken.

Zuvor gab es aber noch ein leckeres Abendessen – zur Frust der 3 Italiener – Spagetthi. Wie kann man nur – ein Verbrechen. Am liebsten hätten sie in der Küche selbst nachgeholfen. Das Thema Pasta sorgte ganz schön für Gesprächsstoff – da versteht ein Italiener nun wirklich keinen Spaß. Danach wurden noch die letzten Tropfen Pisco, Wein und Whisky geleert und über Gott und die Welt philosophiert.

Es bestand die Möglichkeit, sich in den Hotsprings – ein kleines Becken mit heißem Wasser – für die Nacht aufzuwärmen. Duschen gab es keine. Allerdings musste man nach dem Bad, 5 Minuten zu Fuß zur Unterkunft zurück laufen – bei Minustemperaturen. Wir verzichteten auf die von unserem Guide lieblich bezeichnete Gringo-Soup! 😉 (Gringo ist die „nette“ Bezeichnung für Ausländer in Südamerika) Stattdessen bekamen wir eine kleine Einführung in die Sternkunde. Wir haben noch nie in unserem Leben so einen glasklaren, wunderschönen Sternenhimmel gesehen. Und immer wieder zischten Sternschnuppen durch die Sternbilder. Aber zum Fotografieren war es mir eindeutig zu kalt.

Atemberaubende Landschaften

Die Naturschauspiele am nächsten Tag, ließen jegliche Strapazen der Nacht wieder vergessen. Es ist einfach unglaublich, wie sich die Landschaft hier innerhalb kürzester Zeit verändern kann. Mitten in der Wüste tauchte plötzlich ein türkiser See auf und darin badeten Flamingos. Kurze Zeit später, ein roter See mit einem beeindruckenden Vulkan im Hintergrund. Auch die Schneekristalle am Sand und die vielen schneebedeckten Vulkanspitzen ließen uns einfach nur staunen. Außerdem sahen wir viele wilde Tiere…von Füchsen, verschiedenen Flamingos, Guanacos bis hin zu Hasenmäusen.

 

Im Mund von Pacha Mama

Im Valle de las Rocas, ein Tal mit unzähligem, von Wind und Wetter geformtem, Vulkangestein. Hier passieren ganz besonders viele Unfälle. Viele Bolivianer sind sich daher sicher, dass sich hier der Mund von Pacha Mama befindet und sie muss ja immerhin Essen. Viele Autofahrer opfern daher z.B. Lamas und begraben diese hier, um selbst von Unfällen verschont zu bleiben. Ohne Worte.

 

Sol de Mañana

Ein weiteres Highlight waren die Geysire Sol de Mañana, auf 4.850 Höhenmeter. Direkt neben der Straße stieg mit unglaublichem Druck schwefelartiger, heißer Dampf aus Erdlöchern auf. Bei uns wäre so ein Bereich weitläufig abgesichert…nicht so in Bolivien. Wir hüpften mit unserem Guide quer über die rauchenden, blubberten Schlammbecken. Schwefelgeruch lag in der Luft. Hier wird einem die unzähmbare Kraft der Natur nocheinmal deutlich vor Augen geführt.

 

Über die Grenze nach Chile – in eine andere Welt

Vor dem Grenzübergang mussten wir uns noch von den Coca-Blättern verabschieden, diese sind in Chile illegal. Mitteilung des Guids: „The Chilean fucking controlling EVERYTHING, so be careful or you go to prison“ – also hielten wir uns lieber brav an die Vorschriften. Der bolivianische Grenzposten ware eine kleine Hütte im Nirgendwo. Die chilenische Kontrolle sah da schon etwas anders aus. Der Bus fuhr in eine große Halle, die Tore wurden geschlossen. Alle aussteigen, Stempel abholen. Spürhunde durchsuchten Bus, Personen und Gepäck. Später wurde das Gepäck sogar noch gescannt und teilweise genau unter die Lupe genommen. Und plötzlich waren alle Straßen asphaltiert. Und Häuser waren fertig gebaut. Ein komischer Anblick. Der Busfahrer im Bus begrüßte uns mit einer kurzen Rede: „Willkommen in Chile…ihr werdet sehen, hier ist es wärmer, schöner, hygienischer, es gibt heißes Wasser, mehr Hunde als Menschen…und es ist sauteuer. Viel Spaß!“

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