Wir erleben Cusco im Ausnahmezustand

Schon die Anreise nach Cusco war alles andere als einfach. Das Erdbeben hat 2 Erdrutsche ausgelöst, welche die komplette Verbindung von Lima nach Arequipa lahm gelegt haben. Leider sind damit auch die meisten Buse unseres gebuchten Busunternehmens in Lima hängen geblieben. Es herrscht Chaos.

Zusätzlich gibt es seit über 3 Wochen in vielen Städten Perus Proteste der Lehrer. Ihnen wurde eine Gehaltsanpassung zu den Beamten versprochen, aber nie umgesetzt. Die Schulen haben seitdem geschlossen. Leider gerieten die Proteste außer Kontrolle und den Lehrern gelang es, den kompletten Verkehr in und aus der Stadt Cusco für einige Tage komplett zu stoppen. Es kam also kein Verkehrsmittel aus der Stadt raus oder rein, was verständlicherweise für noch mehr Chaos und wilde Aufregung sorgte.

19-stündige Anreise nach Cusco

Die Kommunikation hierzulande funktioniert nicht ganz so gut. So kam es, dass wir um 5 Uhr morgens unsere ohnehin schon sehr lange Busreise von 12 Stunden von Arequipa nach Cusco antraten. Wir fuhren einige Stunden lang durchs Landesinnere Perus. Wunderschöne Landschaften und unzählige Alpaka- und Lama Herden zogen an unseren Fenstern vorbei. Auch die Luft wurde mit der Höhe immer dünner, was sich bei einigen mit Kopfschmerzen bemerkbar machte. Wir legten mehrere Stops ein um uns mit Coca Tee zu akklimatisieren.

 

Natürlich wussten wir nichts von der aktuellen Situation in Cusco. Während der Fahrt erfuhren wir dann nach und nach, was eigentlich los ist.  Mitten in einem kleinen Dorf im Nirgendwo, hieß es dann plötzlich, alle aussteigen. Der Bus musste wieder zurück nach Arequipa und wir sollten in ca. 5-10 Minuten von einem anderen Bus abgeholt werden, welcher uns nach Cusco bringen sollte.

So saßen wir, eine relativ große Gruppe an Backpackern, also auf dem Gehsteig und warteten auf den nächsten Bus. Ein Mittagessen und einige Telefonate mit dem Busunternehmen später, stellten einige in Frage, ob wir heute hier überhaupt noch weg kommen. Immer wieder wurden wir um 30-60 Minuten vertröstet. Nach fast 5 Stunden wurden wir dann erlöst und tatsächlich noch abgeholt. Der Verkehr nach Cusco scheint wieder zu rollen. Zumindest in der Nacht, morgen früh sollen die Proteste weitergehen.

Der Busfahrer war bereits seit 18 Stunden ohne Pause unterwegs und offensichtlich fertig und genervt. Er startete Überholmanöver, die wirklich nicht mehr schön waren. Es war die schlimmste Busfahrt die wir bis jetzt erlebten. Aber nach guten 19 Stunden kamen wir endlich in Cusco an. Die ersten stiegen ins Taxi, das Taxi parkte aus und fuhr rückwärts mit Karacho in den Bus. Nach einer kurzen Schrecksekunde mussten wir alle lachen, das kann es ja wohl wirklich nicht mehr sein.

Inzwischen erfuhren wir von einer Gruppe, die heute von Cusco abreisen musste, dass sie 5(!!!) Stunden zu Fuß mit dem ganzen Gepäck mitten durch die Barrikaden marschieren mussten, um außerhalb der Stadt den Bus zu erreichen. Wirklich verrückt.

Streik und Nationalfeiertag zur gleichen Zeit

Am 28.7. stand noch der größte Feiertag des Jahres an – der Independence Day. Cusco ist die Hauptstadt der Inkas, daher pilgerten tausende Peruaner hierher um dieses Fest gebührend zu feiern. Und wir mittendrin.

Bereits Tage vor dem eigentlichen Feiertag, wurde hier den ganzen Tag geschossen und es fanden regelmäßig Märsche durch die Stadt statt. Die Polizei und das Militär ist überall präsent. Immer wieder werden die Märsche durch die Proteste unterbrochen. Wir haben es uns auf dem Hauptplatz auf einer Stiege gemütlich gemacht und begutachteten das ganze Gewusel von oben. Es werden traditionelle Tänze aufgeführt und aus jeder Ecke der Stadt dröhnt Live-Musik.

 

Zufällige Begegnung in einer Markthalle

Wir schlenderten durch die Markthalle in San Blas. Hier bekommt man einfach alles. Das Leben ganzer Familien spielt sich in diesen Hallen ab. Kinder in kleinen Gitterbettchen stehen zwischen dem Obst. Die ganzen Gerüche, die vielen Menschen und der Anblick der Fleischabteilung – Reizüberflutung. Unsere Bäuche knurrten aber bereits ganz heftig und wir beschlossen es den Einheimischen gleich zu tun und uns einfach auf eine Bank vor einem gut gefüllten Stand zu setzen. Matthias wählte Fleisch, ich Vegetarisch und wir bekamen ein Menü für 1,50 Euro serviert. 🙂

 

Beim nächsten Stand ließen wir uns noch einen frischen Smoothie zubereiteten und versuchten uns wieder einmal in unserem Spanisch. Mittlerweile mit etwas mehr Erfolg, aber immer noch sehr holprig. Ein Peruaner mischte sich in das Gespräch ein. Er sprach auch Englisch und erleichterte somit unsere Kommunikation erheblich. Wir plauderten eine ganze Weile mit Luis und anschließend lud er uns auf einen Cafe in sein Restaurant ein, wo gleich seine Schicht begann. Wir bekamen eine Privatführung und die Chefin begrüßte uns mit Wangenkuss. Das Restaurant wurde kürzlich auf Platz 11 der Stadt gewählt – bei 5000 Restaurants eine beeindruckende Leistung.

Nach seiner Schicht, verabredeten wir uns erneut. Gemeinsam erkundeten wir das Künstlerviertel San Blas. Wir fühlen uns in unseren Andalusien Urlaub zurück versetzt. Enge, hügelige Gassen, gemütliche Cafes und viele kleine Läden. Luis zeigte uns seine Lieblingsplätze, tolle Aussichtspunkte und erzählte uns so einiges über die Stadt.

Die Zeit vergeht wie im Flug

Insgesamt verbrachten wir in dieser tollen Stadt über eine Woche. Wir ließen es ruhig angehen, genossen unser tägliches, köstliches Sandwich in unserem Stamm-Cafe und erkundeten die vielen Gassen und Parks der Stadt. Ein weiteres erwähnenswertes Highlight war der Besuch im Schoko-Museum – ich habe noch nie einen köstlicheren Brownie gegessen. Und natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen, in Luis‘ Restaurant einmal richtig fein zu speisen. Matthias probierte das berühmte Alpaka-Steak und war einfach nur begeistert.

Den letzten Tag in Cusco lassen wir in einer Dachterrasse mit Blick über die Stadt bei einem Pisco Sour ausklingen und sind wieder einmal unendlich dankbar, diese Reise gemeinsam erleben zu dürfen.

2 Comments

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    Silvia
    2. August 2017 at 21:21

    Echt, immer wieder super coole Fotos.

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