Patagonien – vom Süden in den Norden

Von Ushuaia aus, ging’s Richtung Norden, bis nach El Chalten. Von Argentinien nach Chile und wieder retour – 1.000 km und 2 Grenzüberquerungen in 2 Tagen. Auf dem Weg passierten wir mehr Reifenflicker, als Tankstellen. Bei einer Tankstelle mussten wir über 2 Stunden warten, da sie gerade aufgefüllt wurde und es im Umkreis von 160 Kilometern keine andere Tankmöglichkeit gab.

Bei der Einreise nach Chile darf man unter anderem kein Obst mitnehmen. Wir haben es nicht ganz so ernst genommen und es trotzdem versucht. Leider wurde unser Auto auf den Kopf gestellt und unsere Bananen und Äpfel behielt sich der Zollbeamte wohl für seine nächste Jause. Wir konnten uns rausreden, dass wir kein Spanisch verstehen, Englisch auch nicht unsere Muttersprache ist und wir es einfach nicht besser wussten – nach dem Ausfüllen von ein paar Zetteln wurden wir gottseidank von einer Strafe verschont. Im Nachhinein haben wir Geschichten gehört, dass Leute wegen 2 Karotten im Gepäck, 2 Tage im Gefängnis gesessen sind – da hatten wir wohl nochmal Glück. 🙂

In Südamerika ist Auto stoppen eine beliebte Fortbewegungsmöglichkeit und auch wir erlösten eine Koreanerin mit einer Mitfahrgelegenheit in die nächste Stadt. 4 Stunden mit einer fremden Person im Auto können ganz schön interessant sein. Wir wissen nun so gut wie alles über ihre Familiengeschichte und über das Land Korea. Nach 2 Jahren reisen, war es für sie nun an der Zeit in ihre Heimat zurückzukehren.

 

El Chalten – Patagonien wie aus dem Bilderbuch

In unserem Hostel in El Chalten lernten wir einen Kärntner und einen Bayer kennen. Ein Bergsteiger und ein Kameramann – zusammen sind sie gerade dabei eine Doku für Servus TV zu drehen. Der Bergsteiger, Markus Pucher, war schon über 17 Mal hier. Die Beiden hatten viele Geschichten über Patagonien und das unberechenbare Wetter auf Lager. Über Google erfuhren wir später, dass wir gerade einen der besten Extrembergsteiger Europas getroffen hatten und Matthias sogar schon einen Film mit ihm gesehen hat. Markus hat Alpingeschichte geschrieben, als er vor ein paar Jahren den Cerro Torre free solo bezwang – komplett verrückt!

Wanderung zum berühmten Fitz Roy

Patagonien - Ausblick auf den Fitz RoyAm nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zur Laguna de los tres, am Fuße des berühmten Fitz Roy. 10km und ca. 4 Stunden sollte die Wanderung dauern und laut Rezeption ist der Weg mit Wanderschuhen begehbar, also keine Spikes notwendig.

Nach 1-2 Stunden wurde uns klar, dass mit den Angaben etwas nicht stimmen konnte, denn wir waren noch nicht annähernd am Fuße des Bergmassivs. Es stellte sich heraus, dass die Angaben wohl pro Strecke genannt waren, die Wanderung also doppelt so lange war. Umdrehen war aber auch keine Alternative. Der bewölkte Himmel riss immer mehr auf und bescherte uns einen seltenen und unglaublich beeindruckenden Ausblick auf den Fitz Roy mit blauem Himmel im Hintergrund.

Während der letzten 2 km wurde das Wetter immer schlechter, der Weg steiler und der Schnee immer höher. Die letzten 100 Meter vor dem Ziel, arbeiteten wir uns nur noch Schritt für Schritt vor. Denn aus dem Schnee wurde Eis und da wir anscheinend die Ersten waren, die diese Strecke heute zurück legten, musste Matthias jeden Schritt mit den Schuhen ausschlagen, damit wir sicher den steilen Hang hoch kamen. Plötzlich zeigte Patagonien seine Launenhaftigkeit und ein Schneesturm zog auf. Wir konnten keine 5 Meter mehr sehen und mussten uns aufs Eis setzen, weil wir im Wind nicht mehr stehen konnten.  Es war wirklich bitter so kurz vor dem Ziel aufzugeben, aber schlussendlich siegte die Vernunft und wir kehrten um. Durch den Sturm war der Weg nur mehr eine einzige Eisplatte und wir rutschten im Sitzen langsam den Hang hinunter, was ziemlich kräftezehrend und etwas beängstigend war.

Der Rückweg zog sich in die Länge, aber gottseidank besserte sich das Wetter wieder. Die letzten 2 km herrschte Funkstille…Hunger, Durst, Kälte und schmerzende Füße – keine gute Kombi! Matthias‘ Worte: „Wenn Tanja einmal 10 Minuten nicht redet, ist die Situation wirklich ernst – damit ist nicht zu spaßen“ 😉

Perito Moreno Gletscher

Von El Calafate aus, erkundeten wir den Nationalpark Los Glaciares. Der „Star“ im Park ist der Perito Moreno Gletscher, welcher der Größe von Buenos Aires gleicht. Die Eiskanten an der Front, sind zwischen 50 und 70 Meter hoch. Immer wieder hörte man ein lautes, kräftiges Krachen und kurz darauf krachte ein abgebrochener Eisblock ins Wasser. Gänsehaut pur. Die Schiffe wirkten wie Papierboote im gigantischen Eis.

Wieder einmal waren wir froh, mit eigenem Auto unterwegs zu sein – einfach stehen bleiben, wo es uns gefällt. Diese Flexibilität ist hier viel Wert, denn der Park hat einfach viel zu viele schöne Ecken, die mit dem Bus nicht angefahren werden.

 

Puerto Natales & Torres del Paine Nationalpark

Die Tage in Puerto Natales waren ziemlich verregnet, daher verbrachten wir viel Zeit in unserem Apartment. Einfach mal nichts tun ist ja auch schön. Außerdem planten und buchten wir Einiges für die nächsten Wochen in Fidschi und Neuseeland. Und man glaubt es nicht, aber wir haben uns sogar einen groben Budgetüberblick erstellt, um zu vermeiden komplett plank wieder nach Österreich zu kommen. Und es war ein Schock!!! Denn in Excel hat sich ein Fehler eingeschlichen und die Summe war so gar nicht schön. Gottseidank ein Fehler – alles im grünen Bereich! 🙂

Am vorletzten Tag überraschte uns das Wetter mit Sonnenschein und blauem Himmel – also nichts wie auf in den Nationalpark. Dort angekommen, stellte sich heraus, dass es hier die letzte Nacht stark geschneit hatte. Wir waren die Ersten auf den Straßen und waren wieder einmal sehr dankbar für unsere Spikes. Auf dem Rückweg sahen wir die Spuren von den hängen gebliebenen Autos, die wohl wieder umdrehen mussten. Die Winterlandschaft in Kombination mit einem türkisblauen See, den Bergspitzen des Torres del Paine und dazu noch dunkelblauer Himmel – bei diesem Anblick fiel uns die Kinnlade hinunter. Es war schon fast kitschig. Eine kleine Schneewanderung zu einem Aussichtspunkt war dann noch die Krönung.

Der nächste Halt war ein Wasserfall wie aus einem Bilderbuch. Der Park hatte gerade erst die Saison eröffnet und bis jetzt hatten sich noch nicht viele Touristen hierher verirrt, weswegen wir all diese Spektakel fast immer für uns alleine genießen konnten. Beziehungsweise gemeinsam mit hunderten Guanakos – diese süßen Vierbeiner sind hier überall präsent. Während der Fahrt durch den Park blieb die Kinnlade unten. Nach jeder Kurve wieder ein WOW.

 

Halbmarathon in Patagonien – ein krönender Abschluss

Schon bei der Reiseplanung im letzten Jahr, kam uns der Gedanke, an irgendeinem schönen Ort unterwegs bei einem Lauf teilzunehmen. Am Ende ist die Wahl auf den Patagonian International Marathon gefallen. Das Panorama beim Lauf durch den Nationalpark war schon auf den Fotos vom Vorjahr einfach unschlagbar.

Ich hab den Vorsatz nach dem ersten Monat Reisen über Bord geworfen, da mir jegliche Motivation mich sportlich zu betätigen abhanden gekommen war. 😉 Matthias hingegen war unterwegs regelmäßig laufen. In Salvador am Strand, an der Copacabana entlang, in Bolivien und Peru teilweise sogar auf bis zu 4.000 Höhenmeter. Leider hat eine nicht heilen-wollende Wunde am Fuss und die Lebensmittelvergiftung über 4 Wochen kein Training zugelassen, so dass aus dem Marathon ein Halbmarathon wurde. Denn Trainings-Stress kam nicht in Frage – es soll ja um den Spaß an der Sache gehen.

Im Nachhinein war es eine sehr weise Entscheidung, denn die Verhältnisse bei dem Lauf kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat. Während der 21,5 Kilometer hieß es 460 Höhenmeter zu bewältigen und durchgehend mit starkem Gegenwind zu laufen.  Windböen von bis zu 70 kmh versetzten einen schon einmal einen Meter auf die Seite bzw. zwangen einen zum stehen bleiben.

Die Teilnehmer waren ein bunter Haufen aus 40 verschiedenen Ländern. Ich wartete im Ziel auf Matthias und ich bin mir nicht sicher, wer von uns Zwei aufgeregter war. Ich habe auf jeden Fall jede Sekunde mitgefiebert und Daumen gedrückt. Nach 2 Stunden und 28 Minuten war es dann soweit – FINISHED – ich bin einfach unglaublich stolz! 🙂

Ein unvergessliches Erlebnis und super Abschluss unserer Zeit in Südamerika!

 

Hier unsere Route durch Patagonien im Überblick

19 Tage haben wir uns für unseren Patagonien Roadtrip Zeit genommen- in der Karte haben wir alle größeren Stops eingezeichnet. Insgesamt hatten wir bei Rückgabe unseres Mietwagens über 3.000 km mehr am Tacho. Um die wunderschöne Natur in dieser Region in vollen Zügen genießen zu können, würden wir jedem zu einem Auto raten. Die Hauptstrecken sind natürlich alle per Bus oder Anhalter zurück zu legen, aber die Möglichkeit die kleineren Orte und Nationalparks auf eigene Faust zu erkunden und überall stehen bleiben zu können echt Gold wert!

2 Comments

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    Melanie Schuster
    24. September 2017 at 20:07

    Wow wieder mal traumhafte fotos 🙂

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