Homestay in einem kleinen Reisdorf

Vom Luxusboot ging’s direkt weiter nach Mai Chau – einem kleinen Dorf, inmitten unzähliger Reisfelder. Online waren bereits alle Busse ausgebucht. Doch mit Hilfe unserer Rezeption ergatterten wir doch noch einen Platz – natürlich zum doppelten Preis, dafür war die Abholung im Hotel inkludiert.

Es geht auch kompliziert

Vietnamesen lieben es, eine einfache Aufgabe so kompliziert wie möglich zu machen. Es werden so viele Leute wie möglich involviert, damit jeder etwas vom Kuchen abbekommt.

Beispiel gefällig? Here you go: Wir wurden also am nächsten Morgen von einer jungen Frau im Hotel abgeholt. Diese brachte uns von der Hoteltüre, über die Straße, zum Taxi. Danach verabschiedete sie sich. Der Taxifahrer brachte uns zum Busbahnhof, wo bereits ein junger Bursch auf uns wartete. Sie diskutierten kurz, wer welchen Anteil von unserer bezahlten Summe bekommt, bevor er uns zu unserem Bus brachte. Mit dem Bus ging’s dann nach Mai Chau.

Busfahrt nach Mai Chau

Da alle typischen Touristen-Busse ausgebucht waren, landeten wir in einem uralten 20-Sitzer an einem separaten Busbahnhof am Stadtrand. Die Blicke in unsere Richtung reichten von amüsiert bis mitleidig. Der Fahrer sah nicht alt genug aus, um überhaupt einen Führerschein zu besitzen. Und so fuhr er auch. Er war überzeugt, in jeder Kurve überholen zu können – solange er dabei nur heftig hupte. Obwohl es einige Male nur  ganz knapp gut gegangen ist, ließ er sich davon nicht abbringen.

Neben dem Fahrer, gab es noch einen weiteren Angestellten im Bus. Er war für das manuelle Öffnen und Schließen der Türe zuständig. Und zum verkünden unseres Ziels an jeder 2. Straße, damit noch weitere Passagiere in den überfüllten Bus springen konnten. Und zum Entgegennehmen der Post – ein weiterer Geschäftszweig der Buslinie. Die Fahrt war echt ein Abenteuer.

Ein Bett im Reisfeld

Und plötzlich hieß es aussteigen. Wieder einmal waren wir für unser mobiles Internet sehr dankbar, welches uns auch dieses Mal den Weg zur Unterkunft diktierte. Taxis waren nicht in Sichtweite, also machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Nach wenigen Minuten kam uns eine Frau auf dem Roller entgegen…“Nhung’s Homestay, Nhung’s Homestay“, rief sie uns von weitem entgegen. Ja genau, da wollen wir hin. Es war unsere Gastmutter. Es dürfte sich sehr schnell herum gesprochen haben, dass hier 2 Rucksacktouristen durch die Reisfelder irren.

Wir wurden von der ganzen Familie herzlich begrüßt und gleich einmal mit Essen versorgt – so kann man bei uns punkten! Danach zeigte sie uns unser Zimmer für die nächsten Tage. Vom Luxus-Schiff auf die harte Matratze am Boden. Aber wir hatten sogar ein eigenes „Badezimmer“ – Toilette war gleichzeitig Dusche und Waschbecken wurde irgendwie vergessen, aber immerhin. 😉

Wir wurden die nächsten Tage bekocht, wie in einem Hotel. Gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Die Portionen waren riesig und trotzdem blieb nie etwas übrig. Einfach zu lecker. Die Schwester unserer Gastmutter nahm uns sogar mit auf’s Reisfeld zur Arbeit. Wir bekamen einen Einblick in alle Stufen der Reisherstellung – der Job ist echt nicht ohne. Maschinen gibt es hier noch keine, es wird alles per Hand erledigt. Wir versuchten den Korb mit frisch geernteten Reisstauden mit dem Stirnband hoch zu heben – ohne Erfolg.

 

Abenteuerlicher Ausflug auf 2 Rädern

Am nächsten Tag stellte uns Nhung ein Moped zur Verfügung um die Umgebung zu erkunden. Hier sind Führerschein oder Mietvertrag überflüssig – Schlüssel her und los geht’s. Unser erstes Ziel war ein wunderschöner Wasserfall, mitten im dicht zugewachsenen Wald. Hier sahen wir zum ersten Mal die Auswirkungen von den Überschwemmungen und Erdrutschen, die diese Region vor wenigen Wochen erlitt.

Immer wieder durchquerten wir kleine Dörfer mit ein paar Häusern neben der Straße. Die Kinder winkten uns zu, riefen „hello, hello“ und lachten über beide Ohren, wenn wir zurück winkten. Hinter jeder Kurve musste man mit freilaufenden Ziegen, Hunden, Hühnern und Wasserbüffeln rechnen. Oder mit einer 3 Meter langen Schlange, die gerade die Straße überquerte. Wir trauten unseren Augen nicht und waren heilfroh, dass sie uns rechtzeitig sah und auswich, denn wir hätten es nicht mehr geschafft.

 

Neue Bekanntschaften

Von dem Schock mussten wir uns erstmal erholen und blieben etwas weiter am Straßenrand stehen. Ein kleiner Transporter kam auf uns zu, die beiden Männer winkten aus dem Auto und grinsten. Sie blieben stehen und stiegen aus. Wir versuchten uns mit Händen uns Füßen zu verständigen und zum Abschluss fragten sie nach einem Foto mit uns. Als Dankeschön überreichten sie uns frisches Obst.  Etwas später trafen wir auf ein belgisches Paar, welches mit ihren Fahrrädern quer durch Vietnam strampelte. Wir waren die ersten Touristen die Ihnen in den letzten 3 Tagen begegnet sind. Was für wunderbare Begegnungen!

Der Weg ist das Ziel

Der Wasserfall, unser eigentliches Ziel, war wunderschön. Aber viel mehr faszinierten uns die Leute und das authentische Vietnam, das wir hier erleben durften. Kein bisschen inszeniert, sondern herrlich „echt“. Hier werden Touristen noch nicht als Geldquelle gesehen. Man ist stolz, dass Leute so einen weiten Weg auf sich nehmen um hier her zu kommen. Einem wird ohne zu fragen ständig geholfen. Jeder möchte wissen, woher wir kommen und wie uns Vietnam gefällt.

Wir folgten dem Waldweg, bis er plötzlich endete. Eine zierliche, alte Frau winkte uns zu und lachte. Wir hielten an dem Haus mit kleinem Innenhof und fragten nach etwas zu Trinken. Der Vater der Familie saß neben uns und rauchte gemütlich seinen Tabak aus dem Bambus-Rohr. Sie waren von unseren paar Wörtern Vietnamesisch total angetan und wir versuchten uns so gut wie möglich auszutauschen.

Vor Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Heimweg und strahlten dabei über beide Ohren. Was für ein erlebnisreicher, unvergesslicher Tag!

 

1 Comment

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    Melanie Schuster
    13. November 2017 at 8:26

    Wow wieder einmal traumhafte fotos 🙂

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