Kambodscha’s schlimme Vergangenheit

Für uns gehört es zum Reisen dazu, auch die Kultur und Geschichte des Landes kennen zu lernen. Doch so schwer wie in Kambodscha ist uns das noch nirgends sonst gefallen. Denn die Geschichte Kambodschas ist sicherlich eine der grausamsten der Welt.

Wie man in Phnom Phen NICHT ausgeraubt wird

Wir haben uns in die Hauptstadt Phnom Phen begeben. Hier spielte sich ein Großteil des Grauens ab – vor gerade einmal 40 Jahren. Bevor wir in ein neues Land oder in eine neue Stadt reisen, fragen wir gerne Google, was uns denn so erwartet bzw ob es etwas Bestimmtes zu beachten gibt. Dieses Mal sprangen uns unzählige Artikel zum Thema „How not to get robbed in Phon Phen“ ins Auge. Ok, ohne die Artikel überhaupt zu lesen, spricht das ja schon mal für sich. Und auch im Hotel wurden wir gewarnt, keine Wertgegenstände mit auf die Straße zu nehmen und immer alles gut festzuhalten. Verstanden.

Im Nachhinein können wir sagen, wir hatten keine Probleme. Aber unsere Kamera blieb zum ersten Mal auf unserer Weltreise im Hotelsafe und wir waren auch sonst sehr aufmerksam unterwegs.

Choeung Ek Killing Fields & S-21 Museum

Die wahrscheinlich beste Möglichkeit um sich mit der Geschichte des Landes vertraut zu machen, sind ein Besuch von einem der unzähligen Killingfields und des Tuol Sleng Museums. Aber wir hatten ja keine Ahnung, wie heftig diese Stunden werden würden – man wird als Besucher von keinem noch so schrecklichen Detail verschont.

Pol Pot war der Anführer der Khmer Rouge. Sein Ziel war es den Agrarkommunismus im Land einzuführen und um die Gleichstellung aller Menschen zu erreichen, wurden alle Schulen, Krankenhäuser etc geschlossen und das Geld abgeschaffen. Alle gebildeten Menschen (oder wenn man danach aussah…zB Brille oder weiche Hände) wurden samt Familien gefoltert und danach kaltblütig umgebracht. Innerhalb weniger Tage wurden alle Menschen aus den Städten brutal aufs Land getrieben. Ganz Kambodscha verwandelte sich so innerhalb kürzester Zeit in ein riesiges Arbeits- und Gefangenenlager.

Choeung Ek war ein Obstgarten, bevor er von den Roten Khmer in ein Killing Field umgewandelt wurde. Hier hat das Regime der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 etwa 17.000 Menschen exekutiert. Die Menschen wurden in LKW’s zum Töten hier her gebracht. Mit einem Audio Guide wird man durch die Massengräber geführt und mit viel zu vielen Details und Geschichten der wenigen Überlebenden konfrontiert. Noch heute werden nach starken Regenfällen immer wieder Kleiderfetzen, Knochen und Zähne der Toten an die Oberfläche gespült. Eine Kugel, um die Leute zu erschießen, war zu wertvoll. Daher wurden stumpfe Gegenstände zum Erschlagen verwendet bzw. wurden viele lebendig begraben.

Das Tuol Sleng Genozid Museum war eine ehemalige Schule, bevor sie von den Roten Khmer in ein Gefängnis und Folterzentrum umfunktioniert wurde. Lachen, Weinen, Reden und Schreien waren strengstens verboten. Nur 7 von insgesamt ca. 14.000 Gefangenen haben überlebt. Alles wurde bis ins Detail aufgezeichnet und fotografiert. Man wird durch das Areal geführt, auf dem fast alles so belassen wurde, wie es damals entdeckt wurde. Und es waren sogar 3 der Überlebenden vor Ort um ihre Geschichten persönlich zu erzählen.

Mit diesen unverschönten Darstellungen auf den Killing Fields und im ehemaligen Gefängnis, will man den Opfern gedenken und sichergehen, dass diese furchtbare Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Es soll eine Abschreckung sein und solche furchtbaren Ereignisse in der Zukunft verhindern.

Warum?

Wir haben uns immer wieder die selben Fragen gestellt. Warum? Wie können Menschen so grausam sein? Wie kann es 1 Person schaffen, das Land so zu spalten, dass es sich selbst gegenseitig vernichtet? Immerhin haben sie innerhalb von 3,5 Jahren ein Viertel (ca. 3 Millionen) ihrer eigenen Landsleute  ausgelöscht. Die meisten Menschen, denen wir hier auf der Straße begegnen, haben diese Zeit selbst miterlebt. Das Land leidet logischerweise noch immer schwer an den Folgen und das wird sich leider nicht so schnell ändern. Lehrer, Ärzte, Ingenieure etc sind immer noch Mangelware. Dazu kommt, dass die aktuelle Regierung einer Diktatur ähnelt und genau Nichts für das Volk tut, außer es bis aufs letzte einzuschüchtern. Eine Wirtschaft ist hier nicht vorhanden. Es muss so gut wie Alles importiert werden, weil es im Land selbst nichts gibt.

Um uns herum wurde fleißig geknipst, aber mir war beim besten Willen nicht danach, die Knochen, Zähne, Kleidung oder Gräber der Toten zu fotografieren. Wenn ihr mehr über die Geschichte Kambodschas wissen wollt und Fotos zu meinem Bericht sehen wollt, findet ihr hier eine gute Zusammenfassung.

Hier seht ihr ein paar Handy-Schnappschüsse von den Straßen in und rund um Phnom Phen. Wir sind mittlerweile an der Küste Kambodscha’s angekommen und genießen Sonne, Strand und Meer. Kaum zu glauben, aber in nicht einmal einem Monat geht’s für uns schon wieder zurück nach Österreich. Für die verbleibenden Wochen haben wir uns nicht mehr viel vorgenommen. Aber eine letzte Planänderung musste sein – haben uns vor ein paar Tagen Tickets nach Singapur gebucht. Haben nämlich gehört, dass dort die Adventszeit richtig kitschig gefeiert wird. Und ganz ohne Weihnachtsstimmung können wir ja auch nicht zurück kommen, so kurz vor dem 24. Dezember! 😉

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