Bolivia – Death Road Biking & Cholita Wrestling

Da wir in Peru etwas getrödelt haben, mussten wir Bolivien zeitlich etwas kürzen und haben daher wirklich nur einen kleinen Teil des Landes gesehen. Wir waren einige Tage in La Paz, sind mit dem Mountainbike die Death Road runter gedüst und haben anschließend ein paar Tage in der Salzwüste verbracht.

Sobald man die Grenze von Peru nach Bolivien überquert, fällt einem auf, dass das Volk noch etwas ärmer ist und die Häuser noch etwas baufälliger sind. Und auch in Sachen Hygiene und Sicherheit macht sich der Unterschied bemerkbar. Die Leute hingegen sind uns viel freundlicher und offener begegnet. Sie waren interessiert woher man kommt, wie einem Bolivien so gefällt etc. Wir haben das Gefühl, dass man hier noch das „echte“ Leben kennenlernen darf und keine Fassade für Touristen aufgebaut wurde.

La Paz – bunt, günstig und voller kleiner Kulturschocks

Die Stadt liegt auf fast 4.000 Höhenmeter und das merkt man auch. Die hügeligen Straßen und Gassen sind zu Fuß nur sehr langsam begehbar. Hier treffen Geschäftsleute in Anzügen auf traditionell gekleidete Frauen – liebevoll Cholitas genannt.

 

Das Leben spielt sich auf der Straße ab

Alle Straßen sind voll mit kleinen Verkaufsständen oder auch einfach nur Personen mit Bauchläden, die zum Beispiel Taschentücher verkaufen. Einkaufszentren oder Supermärkte gibt es nur im reicheren Viertel der Stadt. Der Großteil der Einwohner verbringt den ganzen Tag mehr oder weniger auf der Straße. Nur zum Schlafen ziehen sie sich in ihre Häuser oder Bretterhütten zurück. Zimmerheizungen gibt es hier nicht einmal in Hotels, wenn dann nur kleine Heizstrahler, aber das ist bereits Luxus. Bei Nachttemperaturen um den Nullpunkt nicht gerade angenehm. Noch spät am Abend, sieht man in jeder Straße kleine Garküchen und drum herum eine ganze Schar an Leuten, welche auf den Gehsteigen sitzen und essen. Für den ärmeren Teil der Bevölkerung ist das oft die einzige Möglichkeit zu überleben.

Tägliche Proteste

Gleich wie in Peru gehören auch hier Proteste zur Tagesordnung. Einmal wurde sogar tagelang protestiert, weil Simpsons im TV abgeschafft wurde – sogar mit Erfolg, die Serie lief danach 3x täglich. 🙂 Wir waren 6 Tage hier und es verging kein Tag ohne Streiks der Bürger. Zum Beispiel haben alle Straßenverkäufer protestiert, weil die Regierung sie zur Steuerzahlung zwingen wollte – und es gibt hier seeeehr viele Straßenverkäufer. Alle Straßen im Zentrum wurden wieder einmal durch das Volk lahm gelegt. Die Polizei und das Militär waren ständig present, um Ausschreitungen zu verhindern. Leider hatten wir einmal das Pech in einer Straße zu landen, in der die Polizei gerade Tränengas versprühte…kein schönes Erlebnis.

 

Aberglaube & Hexenmarkt

Ähnlich wie in Peru, sind die Menschen in Bolivien sehr abergläubisch. Wir haben schon viel darüber gehört und gesehen, aber der Hexenmarkt in La Paz hat uns etwas schockiert. Ein ganzes Viertel in dem unter anderem Kräuter, Elixiere, Pülverchen und eingelegte Tiere verkauft werden. Alles Opfergaben für Pacha Mama. Und Pacha Mama liebt Alkohol und Süßigkeiten. Egal ob gegen Krankheiten oder böse Geister, hier findet sich für jeden Anlass etwas. Als wir aber die aufgehängten, getrockneten Lama-Föten sahen, wurde uns doch etwas schlecht. Angeblich baut kein Bolivianer ein Haus, ohne eines dieser Tiere, als Opfergabe, in die Wände einzumauern. Denn das bringt den Bewohnern Glück.

 

San Pedro Gefängnis

Mitten im Zentrum der Stadt befindet sich eines der gefährlichsten Gefängnisse der Welt. Eigentlich ist es mehr eine Stadt in der Stadt, als ein Gefängnis. Denn hier regieren die Häftlinge selbst und es gibt keine Zellen und schon gar keine Sicherheiten. Räuber, Mörder und Drogenbarone – alle unter einem Dach. Wenn man viel Geld hat, kann man sich ein super Leben in der Gefängnisstadt kaufen. Ohne Geld landet man im Keller bei den Drogenabhängigen. Um das nötige Geld zu verdienen, werden die Insassen sehr kreativ…hier gibt es Jobs, die gibt es sonst nirgends. Meistens leben ganze Familien mit Kindern gemeinsam dort. Außerdem wurde hier die größte Kokain-Fabrik der Welt entdeckt.

Es werden sogar Touren für Touristen durch das Gefängnis auf der Straße angeboten. Aber angeblich wird man meistens nur hinein gebracht und anschließend ausgeraubt…wir haben es sicherheitshalber nicht ausprobiert.

Cholita Wrestling

Was bis vor kurzem nur die einheimische Bevölkerung unterhalten hat, ist mittlerweile auch bei Touristen sehr beliebt – Cholita Wrestling. Cholitas sind die traditionell gekleideten Frauen mit den langen Pferdeschwänzen und den bunten, weiten Röcken. Natürlich konnten wir uns diesen Anblick nicht entgehen lassen. Wegen der Proteste konnte uns der Bus nicht wie geplant abholen und wir mussten quer durch die ganze Stadt marschieren. Auf dem Weg zur Event-Halle, hat es dann plötzlich geknallt und zu rauchen begonnen. Stille und Anspannung im Bus – und plötzlich dröhnt laut „Hello“ von Adele aus dem Radio – alle mussten lachen. Der Bus war kaputt, Ersatz wurde angefordert. Mit reichlich Verspätung konnten wir dann aber doch noch etwas von der Show sehen. Es war relativ amüsant, diese Frauen so in Action zu sehen. Die Stunts waren teilweise grottenschlecht, aber teilweise auch überraschend gut. Sie ließen sich anständig feiern und genossen sichtlich das Rampenlicht. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. 🙂

 

Death Road Biking

Mit dem Mountainbike die gefährlichste Straße der Welt runter zu brausen – über 3.500 Höhenmeter. Für mich eine Horror-Vorstellung. Matthias hingegen ließ der Gedanke nicht los….wir sind ja nur einmal hier. In einer schwachen Minute konnte er mich dann doch überzeugen und wir buchten eine Tour für den nächsten Tag. Irgendwie würde ich da schon runter kommen. Dass ich seit 10 Jahren kein Rad besitze und noch nie auf einem Mountainbike gesessen bin, verdränge ich erfolgreich.

Nach einer relativ kurzen, schlaflosen Nacht, saßen wir im Bus Richtung Startpunkt. Auf den ersten Blick war ich richtig erleichtert…denn ein Teil der Gruppe war vom älteren Semester und somit reihte ich mich nicht als schwächstes Glied der Gruppe ein. Doch dann folgte eine Vorstellungsrunde und es stellte sich heraus, dass die älteren Herren, ehemalige Mountainbike Profis bzw. aktive Mountainbiker waren. 🙂

Wir bekamen genaue Sicherheitsanweisungen und die Männer mussten einen Schwur ablegen, dass sie ihre Hormone zügeln und kein zusätzliches Risiko eingehen werden. Bevor es losging, wurden wir noch in einen wunderschönen, modischen Anzug gesteckt. Aber wenigstens waren die Räder wirklich in einem Top-Zustand und das ist wohl das Wichtigste. Einen Schluck Schnaps für uns und natürlich einen Schluck für Pacha Mama, dann konnte es endlich los gehen.

Zur Eingewöhnung ging es zuerst auf einer asphaltierten Straße talabwärts. Die vorbeibrausenden LKW’s und Busse waren aber nicht gerade beruhigend. Dann erreichten wir die Abzweigung zur gefährlichsten Straße der Welt. Und als ob das nicht genug wäre, war der Wettergott nicht auf unserer Seite. Dichte Nebenschwaden ließen uns teilweise keine 5 Meter weit sehen. Es wurde die Frage gestellt, ob die Tour in diesem Fall nicht abgebrochen würde. Nein, so schlecht kann das Wetter gar nicht sein.

Gut, dass ich vorher nicht genauer recherchiert hatte. Ich dachte mir, naiverweise, wenn eine Tour für Touristen auf dieser Straße angeboten wird, kann es nicht so schlimm bzw. unsicher sein. Der Titel ist einfach nur gutes Marketing. Schön getäuscht. Die Schotterpisten waren gerade einmal eine Fahrspur breit und auf der Talseite, ging es teilweise ohne Abgrenzung hunderte Meter in die Tiefe. Noch vor ein paar Jahren, war diese Straße die einzige Verbindung der Städte und viel befahren. Im Durchschnitt forderte die Straße täglich ein Todesopfer – daher der Titel Death Road. Mittlerweile wurde eine neue Straße für den Hauptverkehr gebaut. Hier sind also nur mehr verrückte Touristen und Einheimische mit ihren Autos unterwegs.

Nach der ersten Stunde auf dem Bike, wurde ich immer sicherer und es fing an richtig Spaß zu machen. Matthias war sowieso von der ersten Sekunde an einfach nur begeistert. Insgesamt ging es über 4 Stunden lang, über 3.500 Höhenmeter hinunter ins Tal. Dabei durchquerten wir 3 verschiedene Klimazonen. Am Ziel angekommen, durchgeschwitzt und dreckig, wartete eine wohlverdiente Dusche und ein Mittagessen auf uns. Wir waren alle überglücklich, dieses Abenteuer gemeistert zu haben. Aus der Euphorie heraus, entschied die Gruppe, dass es doch noch ein toller Abschluss wäre, die gleiche Straße mit dem Bus zurück zu fahren. Der Fahrer stimmte zu. Diese Fahrt war 1000 mal beängstigender, als mit dem Mountainbike. Aber die Ausblicke waren wirklich fantastisch! Ich bin froh, dass ich dabei war, würde es aber nicht nocheinmal machen! 😉

 

2 Comments

  • Reply
    Melanie Schuster
    20. August 2017 at 18:09

    Wie wahnsinnig schöne Fotos. Die Straße sieht sehr abenteuerlich aus

  • Leave a Reply

    *